AC-Kopplung im Bestand: Funktioniert ein zweites Speichersystem neben KOSTAL wirklich?

AC-Kopplung im Bestand: Funktioniert ein zweites Speichersystem neben KOSTAL wirklich?

AC-Kopplung im Bestand: Funktioniert ein zweites Speichersystem neben KOSTAL wirklich?

21 kW PV auf dem Dach, DC-Batterie am Hybrid-Wechselrichter – und jetzt kommt die Frage: Kann ich einfach ein weiteres AC-gekoppeltes Speichersystem ergänzen, um im Blackout weiter Solarstrom zu nutzen?
Genau diese Situation begegnet uns aktuell häufig im deutschen Markt.
Dieser Beitrag erklärt technisch sauber, wo die Grenzen liegen – und welche Lösungen wirklich funktionieren.

Ausgangssituation (typischer Praxisfall)

  • Bestehende PV-Anlage ca. 6 kW
  • Erweiterung um weitere 15 kW
  • Neuer Wechselrichter: KOSTAL Plenticore G2 10.0 Plus (3-phasig)
  • DC-seitig angeschlossene Batterie (~5 kWh)
  • Separater Notstromkreis mit Umschalter (galvanisch getrennt)
  • Wunsch: 5 kW Ersatzstrom, notfalls 3 kW einphasig
  • Kernfrage:
  • „Reicht ein günstiges Gerät mit sauberer 50 Hz Spannung, damit die bestehenden PV-Wechselrichter im Inselbetrieb weiterlaufen?“

Warum „50 Hz liefern“ alleine nicht reicht

Viele Anwender denken:
Wenn ich im Blackout ein stabiles 50-Hz-Signal bereitstelle, erkennt mein PV-Wechselrichter das als Netz – und läuft weiter.
Technisch ist das zu kurz gedacht.
Ein netzgekoppelter Wechselrichter benötigt nicht nur:
  • Frequenz (50 Hz)
  • Spannung (z. B. 230/400 V)
Sondern ein netzähnliches Referenzsystem mit:
  • definierter Impedanz
  • stabiler Kurzschlussleistung
  • sauberem Phasenverbund (bei 3-phasigen Systemen)
  • normgerechter Schutzlogik
Gerade bei dreiphasigen Anlagen (wie im Beispiel mit KOSTAL G2) reicht ein einphasiger „Insel-Generator“ nicht aus.

Das Kernproblem: Zwei Energiemanagement-Systeme an einem Netzanschlusspunkt

Hier liegt der entscheidende Punkt – und der wird oft unterschätzt.
Ein Hybrid-Wechselrichter wie der KOSTAL Plenticore G2 mit DC-Batterie arbeitet in einem geschlossenen Regelkreis:
  • Eigenes Energiemanagement
  • Eigene Leistungsregelung
  • Eigene Messung (Smart Meter / CT)
  • Eigene Strategie für Laden, Entladen, Zero-Export
Wenn nun zusätzlich ein AC-gekoppeltes Speichersystem mit eigener CT-Regelung am selben Netzanschlusspunkt installiert wird, entstehen zwei parallele Regelkreise.
Das führt in der Praxis zu:
  • Leistungs-Pendeln
  • Falscher Einspeisebegrenzung
  • Gegenseitigem „Hoch- und Runterregeln“
  • Unklarer Priorität bei Netz- oder Inselbetrieb
  • Fehlermeldungen oder Schutzabschaltungen
Man spricht hier vereinfacht von einem „Mess- und Regelkonflikt“.
Deshalb gilt:
Zwei AC-gekoppelte Systeme mit eigener Netzleistungsregelung sollten nicht unkoordiniert am selben Netzanschlusspunkt betrieben werden.

21 kW PV im Inselbetrieb – was bedeutet das wirklich?

In unserem Praxisfall reden wir perspektivisch über ~21 kW PV-Leistung.
Der gewünschte Ersatzstrombedarf liegt aber nur bei 5 kW.
Das bedeutet:
  • Die PV-Leistung muss im Inselbetrieb massiv geregelt werden
  • Überschüsse müssen sofort gespeichert oder abgeregelt werden
  • Das netzbildende Gerät muss Frequenz- und Spannungsführung übernehmen
Ein kleines „Notstromgerät“ ohne echtes Grid-Forming kann hier instabil werden.

Welche Lösungen sind technisch sauber?

Lösung 1: Ersatzstrom im Hybrid-System realisieren (empfohlene Variante)

Wenn bereits ein Hybrid-Wechselrichter mit DC-Batterie installiert wird, sollte die Ersatzstromfunktion innerhalb dieses Systems gelöst werden.
Vorteile:
  • Nur ein Energiemanagement
  • Keine konkurrierenden CT-Signale
  • Saubere Phasenführung
  • Klar definierter Notstromkreis
Diese Lösung ist technisch konsistent und langfristig stabil.

Lösung 2: Separates Notstromsystem – aber als eigenständiger Versorgungsbereich

Wenn das Ziel nur lautet:
„Im Blackout sollen Kühlschrank, Router und Licht laufen.“
Dann kann ein separates AC-System sinnvoll sein – jedoch als eigenständiger Stromkreis, nicht als Parallel-System am Hauptanschlusspunkt.
Das bedeutet:
  • Getrennter Notstrom-Steckdosenkreis
  • Keine gemeinsame Leistungsregelung mit dem Hybrid-Wechselrichter
  • Klare elektrische Trennung
Wichtig: In diesem Szenario laufen die bestehenden PV-Wechselrichter im Blackout in der Regel nicht weiter, da sie kein normgerechtes Referenznetz sehen.

Lösung 3: Separates AC-Speicher-Subsystem mit eigenem Verteiler (Cluster-Ansatz)

Eine dritte – technisch anspruchsvollere – Möglichkeit ist der Aufbau eines eigenständigen AC-Speicher-Subsystems.

Dabei bleibt das bestehende Hybrid-System (z. B. KOSTAL + DC-Batterie) unangetastet.
Zusätzlich wird ein Sunpura S2400-System über einen separaten Verteiler mit eigenem Mess- und Regelkreis integriert.

Wichtig ist dabei:

  • Keine gemeinsame CT-Regelung am selben Netzanschlusspunkt

  • Klare physikalische Trennung der Leistungsbereiche

  • Eindeutige Zuständigkeit im Inselbetrieb (nur ein System netzbildend)

Dieses Konzept ermöglicht eine skalierbare Speichererweiterung (z. B. mehrere S2400 im Cluster), setzt jedoch eine saubere Systemarchitektur voraus. Ohne definierte Trennung kann es zu Regelkonflikten zwischen den Energiemanagement-Systemen kommen.

Diese Lösung eignet sich primär für Projekte, bei denen eine strukturierte Subsystem-Architektur geplant wird – nicht als „einfaches Nachrüsten“ in bestehende Hybrid-Systeme.


Häufige Fehlannahmen im AC-Kopplungs-Kontext


Annahme Realität
„50 Hz reicht aus“ Netzimpedanz, Phasenführung und Schutzlogik sind ebenso entscheidend
„Mehr Speicher = mehr Sicherheit“ Falsche Regelarchitektur kann Instabilität erzeugen
„Man kann beliebig AC-Systeme kombinieren“ Mess- und Steuerkonflikte sind häufig
„PV läuft im Blackout automatisch weiter“ Nur mit netzbildender Architektur

Fazit: AC-Kopplung ist kein Baukastenprinzip

Gerade im deutschen Markt mit:
  • 3-phasigen Anlagen
  • Hybrid-Wechselrichtern
  • DC-Batterien
  • Smart-Meter-Regelung
  • Zero-Export-Anforderungen
ist eine saubere Systemarchitektur entscheidend.
AC-Kopplung ist ein leistungsfähiges Konzept – aber nur, wenn die Regelstrategie eindeutig ist.

Unsere Empfehlung für Bestandsanlagen

Wenn Sie:
  • Bereits einen Hybrid-Wechselrichter mit DC-Batterie betreiben
  • Einen Notstromkreis geplant haben
  • PV im Blackout weiter nutzen möchten
Dann sollte die Ersatzstromlösung systemintern realisiert werden – nicht durch ein zweites unabhängiges Regel-System am gleichen Netzanschlusspunkt.
Wenn hingegen nur eine Basis-Notversorgung gewünscht ist, kann ein separates AC-System eine pragmatische Lösung sein – klar abgegrenzt vom bestehenden Energiemanagement.

Diskussion erwünscht

Planen Sie aktuell:
  • Eine PV-Erweiterung?
  • Einen zweiten Speicher?
  • Insel- oder Ersatzstrom im Bestand?
Schreiben Sie uns die Eckdaten Ihrer Anlage.
Wir analysieren Ihre Systemarchitektur technisch – bevor es später zu Regelkonflikten kommt.

 

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